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Echterdinger Schnitt: Eisenhardt ersetzt Estasi


Würde etwa doch noch vieles gut in dieser Saison? Manch einer rund um den Landesligisten TV Echterdingen mag es zuletzt geglaubt haben. Schien die Dauerverletztenmisere doch endlich vorbei. Spielte die Mannschaft doch plötzlich einen Fußball, der bis dahin leidende Zuschauerherzen höher schlagen ließ. Und stellten sieben Punkte aus den ersten drei Spielen nach der Winterpause doch eine ermutigende Trendwende dar. Dass schon da hinter den Kulissen ein weitaus weniger sonniger Abteilungsbeschluss gereift war, konnte ja keiner wissen. Welcher, diese Katze hat der Verein nun aus dem Sack gelassen – und damit alle Wieder-heile-Welt-Spekulationen noch vor dem 2:2 am gestrigen Sonntag beim Tabellenletzten TSV Köngen abrupt beendet: Die Echterdinger verzichten auf eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Mario Estasi. Keine Vertragsverlängerung, Abpfiff nach zwei Jahren – im Juni wird für den aktuellen Amtsinhaber Schluss sein. Der Nachfolger steht bereits fest. Christopher Eisenhardt wechselt vom Staffelrivalen TSV Weilheim in die Goldäcker.
Die Macher der Gelb-Schwarzen ziehen damit die Konsequenzen aus einer Runde 2017/2018, die sich wohl alle Beteiligten anders vorgestellt hatten. Vom Aufstiegskampf geträumt, im Abstiegskampf gestrandet. Nach der enttäuschenden Hinserie hatte der Echterdinger Fußballchef Phillip Wunsch ja bereits angekündigt gehabt, alles auf den Prüfstand zu stellen. „Unsere Analyse hat uns jetzt zu dem Ergebnis gebracht, dass wir etwas Neues beginnen wollen“, sagt er. Nicht zuletzt, weil es in der Bewertung des bisherigen Abschneidens intern zunehmend unterschiedliche Auffassungen gab. Während Wunsch und seinen Mitstreitern die häufig unattraktive Spielweise der Mannschaft ein Dorn im Auge war und jene, Personalnot hin, Personalnot her, das Potenzial des Kaders nur unzureichend ausgeschöpft sahen, verweist Estasi auf die Umstände. „Für die“, ist er überzeugt, „haben wir gute Arbeit geleistet.“ „Wir“ gleich er und sein Co-Trainer Ingo Ramljak, der ebenfalls gehen muss.
Estasis Kritikpunkt: „Beim TVE hat man immer große Ziele, geht es dann aber in einer Weise an, wie diese einfach nicht machbar sind.“ Nach der zeitweiligen Sensationstabellenführung der vorigen Saison habe der ein oder andere den Blick für die Realitäten verloren. Geknirscht hatte es deshalb schon in den vergangenen Monaten immer wieder mal. Stichwort Personalplanung. Ob des quantitativ dünn aufgestellten Kaders habe er mehrfach Verstärkungen angemahnt, sagt der Coach, habe aber „kein Gehör gefunden“. Stichwort Trainingstage. Sein Ansinnen, vom aus seiner Sicht untauglichen Rhythmus mit Montagseinheiten wegzukommen, verlief ebenfalls im Sand – freilich auch dadurch bedingt, dass der eigene Verein nicht der einzige Platznutzer ist und es festgezurrte Belegungspläne gibt. Stichwort Trainingsbeteiligung schließlich. Als jene in der ersten Saisonhälfte auf Tiefststände sank, vermisste Estasi ein Einwirken von Seiten des Vereins. „Da wurde stets auf die Spieler und deren Begründungen Rücksicht genommen, wofür mir das Verständnis fehlt“, sagt der 44-Jährige.
Kurzum: alles in allem hat sich offensichtlich auf beiden Seiten einige Unzufriedenheit angestaut – was nichts daran ändert, dass Estasi nach eigenem Bekunden gern weitergemacht hätte. Dass es nun anders kommt? Der Trainer gedenkt es sportlich und professionell zu nehmen. Eine negative Auswirkung auf den weiteren Saisonverlauf oder gar eine Beleidigte-Leberwurst-Attitüde schließen sowohl er als auch Wunsch aus. „Mein Vertrag läuft bis 30. Juni. Bis dahin werde ich 100 Prozent Vollgas geben“, verspricht Estasi – ehe zum einen sein eigener Weg womöglich ja weiter nach Echterdingen führen wird. Beim Ortsnachbarn Calcio, seines Zeichens Verbandsligist, wird Estasi bereits als heißer Kandidat für den Posten eines Sportdirektors gehandelt. Und ehe zum anderen bei seinem bisherigen Verein wie gesagt Christopher Eisenhardt das Kommando an der Seitenlinie übernehmen wird.
Im Fall des 34-Jährigen steht seit Mitte März fest, dass er seinerseits beim derzeitigen Tabellensechsten Weilheim aufhört. Eine glückliche Fügung laut Wunsch. „Es kam uns zupass, dass er frei wird“, sagt er. Schon nach wenigen Gesprächen habe man Einigkeit erlangt: Der einstige Oberliga-Recke Eisenhardt macht’s. Mitbringen wird er voraussichtlich seinen Ex-Kicker Daniel Heisig als Assistenten. Nicht nur das: wohl auch den ein oder anderen Spieler von seinem Noch-Verein. Wen konkret, wer überhaupt kommt und wer geht, soll sich in den nächsten Wochen bereits unter Eisenhardts Vorstellungen klären.
Den ersten Gedanken, sein künftiges Team in der Partie in Köngen gleich unter die Lupe zu nehmen, hat der Neue einstweilen verworfen. „Es wäre mir irgendwie unpassend vorgekommen, da sofort aufzutauchen“, sagt er. So verpasste Eisenhardt, wie die Echterdinger eine drohende Niederlage mit einer Energieleistung noch abwendeten. Zur Pause lagen sie beim Schlusslicht 0:2 hinten. Erst hatte der gegnerische Torjäger Max Pradler einen Stellungsfehler von Timo Stehle bestraft, dann Matteo Stefania einen von Mark Kranjc verursachten Elfmeter verwandelt.
Doch im zweiten Durchgang kam die Antwort der Gäste, bei denen zu allem Überfluss auch noch Nils Schaller (grippaler Infekt) kurzfristig ausgefallen war. Zur Abwechslung mal Glück: ein wohl eher als Flanke gedachter Ball flutschte zum Anschlusstreffer ins Köngener Netz. Torentfernung des Schützen Severin Abt : rund 40 Meter. Und Duje Tokic gelang schließlich aus zentraler Position der Ausgleich.
Zumindest an diesem Nachmittag wurde für die Echterdinger also tatsächlich noch etwas gut. Ihr Abstand zu Platz 13, der nach jetzigem Stand der Relegationsrang wäre, beträgt nun acht Punkte. Zehn weitere Partien unter Estasi folgen. Nur noch zehn. Die Abschiedstour hat begonnen.
TSV Köngen: Dominik Eitel – Hornung (58. Schmitz ), Jan Horeth (78. Bonczek), Nuffer – Seidler, Rafael Horeth, Manuel Eitel, Essert (78. Warth) – Römer (78. Baskaya) – Stefania, Pradler.
TV Echterdingen: Haug – Korkmaz, Göcer, Stehle, Kranjc – Abt, Marinovic (80. Di Fabio), Hertel, Widmayer (71. Rueff) – Tokic (90.+2 Garcia-Franco) – Knödler.
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