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Die Echterdinger Botschaft: wir leben noch!


Nach siebenwöchiger Durststrecke stoppt der Filder-Landesligist seine Talfahrt mit einem 2:1-Sieg in Bargau. Nicht nur das Ergebnis, auch die gezeigte Einstellung macht neue Hoffnung. Derweil stehen für die nächste Saison Zu- und Abgänge fest.
Am Schluss gab Dennis Garcia-Franco den Einpeitscher. Ausgerechnet er – der Akteur, dem die
Philipp Widmayer
Philipp Widmayer

Philipp Widmayer
Anstrengungen dieses Fußballnachmittags zuvor mehr anzusehen gewesen waren als jedem anderen. Mit leidgeplagtem Gesicht war der Linksverteidiger vom Rasen gehumpelt. Und, keine Frage, das Schienbein schmerzte immer noch. Aber in diesem Moment gab es Wichtigeres. Alle Mann antreten! So lautete Garcia-Francos Kommando. Einen Kreis bilden, Hände über die Schultern des jeweiligen Nachbarn legen, und dann mal los. Hüpfend im Kreis, intonierten Spieler, Trainer und sonstige Begleiter: „Echterdingen, Echterdingen, hey, hey, hey.“ „Echterdingen, Echterdingen, hey, hey, hey.“
Dies war die finale Energieleistung einer ausgepumpten Gästedelegation – und zugleich ein Szenario mit Symbolcharakter. So demonstrativ die Landesliga-Kicker des TV Echterdingen sich hiermit als Einheit präsentierten, so geschlossen waren sie diesmal zuvor auch auf dem Spielfeld aufgetreten. Der Lohn für die Gelb-Schwarzen: mit Teamgeist, Kampfkraft und der nötigen Portion Dusel haben sie am Pfingstsamstag ihre zuletzt immer beängstigender werdende Talfahrt gestoppt. Das 2:1 beim Abstiegskonkurrenten 1. FC Germania Bargau, Sieg Nummer eins nach siebenwöchiger Durststrecke, ließ bei allen Beteiligten Steine der Erleichterung fallen. Die Botschaft lautet: Wir leben noch! In der Tabelle, wo der Filderclub mit dem Erfolg drei Spieltage vor Saisonende ein Abrutschen auf einen Direktabstiegsplatz verhindert hat. Und vor allem auch als Mannschaft, als welche die Echterdinger den aufgekommenen Eindruck, manch einer im Aufgebot könnte sich gedanklich bereits verabschiedet haben, fürs Erste entkräfteten.
„Man hat gesehen, was gehen kann, wenn alle zusammenhalten“, sagte der Abteilungsleiter Phillip Wunsch. Dass die eigene AH extra einen Fanbus nach Schwäbisch Gmünd gechartert hatte, erachtete er dabei als wichtiges Zeichen. Damit habe ein jeder Spieler erkannt: „Der ganze Verein steht dahinter.“ Derweil musste der Interimstrainer Martin Kittelberger erst einmal durchschnaufen. „Das geht schon an die Nieren“, bekannte er nach dem letztlichen Zittererfolg, dem endlich ersten unter ihm und seinem Partner Marc Elsäßer. Nach bisher drei Schlappen mit insgesamt 16 Gegentoren war die Anspannung auch bei den eigentlich als Retterduo verpflichteten Coaches groß gewesen.
„Die Jungs“, konstatierte Kittelberger als Schlüsselpunkt, „haben eine Topmoral gezeigt“ – was freilich auch vonnöten war. Denn begonnen hat die Begegnung beim Tabellennachbarn für die Echterdinger abermals denkbar schlecht. Gerade einmal 14 Minuten waren gespielt, als sich Garcia-Franco von seinem Gegenspieler Manuel Maier austanzen ließ und Stefan Voitk die folgende Flanke zum Bargauer 1:0 verwandelte – im vierten Spiel mit Kittelberger/Elsäßer der dritte frühe Rückstand. Prost, Mahlzeit. Dem ein oder anderen unter den Echterdinger Anhängern hat zu diesem Zeitpunkt wohl bereits Übles geschwant. Kittelberger selbst empfand es als „brutal, dass es da gleich wieder scheppert“. „Eine nicht intakte Mannschaft“, schätzt er, „wäre danach eingebrochen.“
Die Seinen indes hatten an diesem Spieltag die richtigen Antworten. Und zumindest für einen von ihnen schien das im Nacken sitzende Abstiegsgespenst so gar kein Problem. Während seinen Teamkollegen der offensive Mut lange zu fehlen schien, spielte Philipp Widmayer unbekümmert auf. Mit seinen entschlossenen Dribblings avancierte der Startelf-Jüngste (20 Jahre) zum Matchwinner. Erst holte er den Freistoß heraus, der den prompten Ausgleich brachte. Nils Schaller aus 16 Metern in Tipp-Kick-Manier in den Torwinkel – das war das 1:1. Dann war Widmayer mit einem weiteren energischen Einsatz auch der Wegbereiter zum Siegtreffer. Von ihm wanderte der Ball über Duje Tokic zu David Hertel, der wuchtig vollstreckte. Ein gutes Comeback damit auch des Kapitäns nach auskurierter Fersenblessur.
Der Rest war Zittern, Bangen – und am Ende großer Jubel. Sage und schreibe zehn Minuten Nachspielzeit, resultierend aus mehreren Verletzungsunterbrechungen, strapazierten die Echterdinger Nerven. Kollektiv rackernd brachten die Gäste ihren Vorsprung über die Zeit – und parierten damit den Angriff des Fernrivalen TSV Köngen. Jener hatte bereits am Freitagabend mit einem Überraschungssieg in Ebersbach vorgelegt.
Klar: endgültig gewonnen ist für Kittelberger, Elsäßer und Co. mit dem aktuellen Auftritt noch nichts. Wäre jetzt Schluss, müssten sie immer noch in die Relegation. „Aber es war ein guter Schritt“, sagte Wunsch. Fürs Klassement. Für die Moral. Für die Psyche. Und vor allem für den Glauben daran, dass diese verkorkste Saison vielleicht doch noch glimpflich enden wird.
1. FC Germania Bargau: Huttenlauch – Weiner (90.+3 Aaron Klotzbücher), Neumann, Zoidl, Unfried (85. Schneider) – Maier, Hegele, Voitk, Reichelt (69. Falcone) – Tobias Klotzbücher, Kreutter (79. Frey).
TV Echterdingen: Fokou Tendemnou – Korkmaz, Göcer, Stehle, Garcia-Franco (73. Rueff) – Lechleitner, Hertel – Widmayer (82. Spiridopoulos), Tokic (90.+1 Sapina), Schaller (88. Steyer) – Knödler.
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