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Das „hammergeile“ Ende der Pleitensaison


Mit einem 4:0-Heimsieg und Hilfe der Konkurrenz schafft der TV Echterdingen doch noch die Rettung. Nun folgt ein großer Umbruch. Wohl auch der aktuelle Mann des Tages geht.
Der Doppeltorschütze Maximilian Knödler, zudem Geburtstagskind, fand es „einfach nur hammergeil“. Seine Mitspieler hüpften und tanzten lachend über den Rasen. Und der Trainer Martin Kittelberger

schüttelte sich wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt. In jenes war er tatsächlich geraten. Was sein musste, musste sein: sein Kicker Mark Kranjc, der Schelm, hatte sich von hinten angeschlichen und den Coach mittels Eiskübel einer Dusche unterzogen.
Sie alle hatten eines gemein: Die pure Freude war ihnen in die Gesichter geschrieben – und noch mehr die Erleichterung. Seit Samstagabend gegen halb acht ist es amtlich: Die Fußballer des TV Echterdingen stehen am Ende einer für sie über weite Strecken verkorksten Saison als Gewinner da. Landesliga, wir bleiben! Mit einem 4:0-Heimsieg gegen den TSV Buch sowie zudem passenden Ergebnissen der Konkurrenz hat der Filderclub sein Albtraum-Szenario doch noch vermieden. Kein Absturz auf die Bezirksebene, wo die Gelb-Schwarzen letztmals vor 16 Jahren zu Werke waren. Stattdessen im Finish vom Direktabstiegsplatz vierzehn auf den Direktrettungsplatz zwölf – es ist eine Pointe, wie sie wohl nur noch allergrößte Optimisten erwartet gehabt hatten. „Dass wir einen Rang klettern, ja, möglich, aber noch zwei, dafür hätte ich die Chancen höchstens bei zehn Prozent gesehen“, sagte der Abteilungsleiter Phillip Wunsch und bekannte: „Heute fallen viele Steine von Herzen.“
Erst recht, weil dann auch allein dieser letzte Spieltag nichts für schwache Nerven war. Es begann mit Blitz, Donner und einem Wolkenbruch, der den Beginn der eigenen Partie um 30 Minuten verzögerte. Es setzte sich fort mit der durchsickernden Kunde, dass die Fernrivalen Köngen und Frickenhausen in ihren Begegnungen in Führung gegangen waren. Bei dieser Konstellation hätten die Echterdinger ihren Gegner zweistellig aus dem Stadion schießen und dazu Salti schlagen können, und es hätte ihnen nichts mehr genutzt.
Und es ging schließlich über in ein banges Warten, nachdem in den Parallelspielen der Ausgleich gefallen war. Nervöse Dauerblicke auf die Smartphones. Die weiter nicht einatzfähigen Routiniers Valentin Haug und Dennis Garcia-Franco hatten den heißen Draht an die anderen Spielorte – bis von dort die erlösende Kunde kam. So ergab sich Kurioses: Plötzlich brandete Jubel auf, obwohl im eigenen Spiel gerade gar nichts Spezielles geschehen war. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die gute Nachricht unter den rund 400 Zuschauern – und dann auch unter den Spielern auf dem Platz. „Dass Weilimdorf und Bargau das so durchgezogen und uns damit geholfen haben, dafür ein Riesenkompliment. Großer Sport!“, merkte Kittelberger später an.
Anderes war zu diesem Zeitpunkt hingegen längst klar: nämlich, dass die Echterdinger den von ihnen selbst nötigen Beitrag leisten würden. Entschlossen agierten sie. Offensichtlich gelungen war es Kittelberger und dessen Partner Marc Elsäßer, den vorangegangenen Katastrophen-Spieltag aus den Köpfen zu streichen. Zu Gute kam ihnen aber auch, dass sich ihr Gegner gedanklich anscheinend bereits in der Sommerpause befand. Der Aufsteiger, für den es selbst um nichts mehr ging, präsentierte sich harmlos. Zudem wartete er mit defensiven Geschenken auf.
Bestes Beispiel: das frühe 1:0, bei dem sich der Keeper Benjamin Maier und dessen Abwehrkollege Markus Wanner gegenseitig überlisteten – wonach Philipp Widmayer den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste. Und auch bei den nächsten Treffern von Maximilian Knödler und Duje Tokic hatten die Gastgeber bemerkenswert freie Bahn, ehe dem Jubilar Knödler das Glanzlicht gelang. Die Kugel mit rechts aus der Luft genommen, über einen Gegenspieler gelupft und dann mit links volley im Winkel versenkt. Ein Traumtor, das ebenso zu Knödlers 26. Geburtstag passte wie zu den finalen Echterdinger Befindlichkeiten.
Jubel, Trubel, Heiterkeit. Zumindest für diesen Abend. Die Aufarbeitung der ja Trotzdem-Pleitensaison soll in den nächsten Wochen erfolgen, auch mit der weiteren Zusammenstellung des künftigen Kaders. Schluss war am Samstag nicht nur für das Trainerduo. Mission „Rettung“ erfüllt. Dessen Amtszeit war ja von vornherein auf nur übergangsweise eineinhalb Monate fixiert. Fest stehen zudem inzwischen acht Spielerabgänge: Außer Emre Göcer (VfL Sindelfingen), Robin Rueff, Theofilaktos Spiridopoulos (beide TSV Plattenhardt), Faruk Korkmaz (GSV Maichingen) und dem suspendierten Marijo Marinovic (Co-Trainer bei Calcio?) gehen auch Dennis Zschorsch, Denis Kühnle (beide TSV Musberg) und Mark Kranjc (Ziel unbekannt). Hinzu kommen zwei Wackelkandidaten, bei denen die Zeichen ebenfalls auf Abschied stehen: Meksud Colic – und Knödler, der Mann des Tages.
Letzterer ist beruflich bedingt nach Winnenden umgezogen. Der Fahrtaufwand wird ihm damit wohl zu groß. Aktuell hatte der Torjäger dann allerdings nur noch eine Ankündigung: „Jetzt gibt es Party. Heute reißen wir die Kabine ab.“
Vielleicht schaut sicherheitshalber dieser Tage mal jemand nach.
TV Echterdingen: Hieber – Rueff, Göcer, Stehle, Zschorsch – Schaller, Hertel – Widmayer (86. Sapina), Tokic (71. Korkmaz), Colic (68. Abt) – Knödler (78. Schmitt).
TSV Buch: Maier – Negele, Roland Salger, Wanner, Staudacher – Seifert (46. Zott), Zeh, Amann, Sailer (70. Hampel) – Schrapp, Jenuwein (86. Braunmiller).