Statt Elefantenduell nur eines der Papiertiger ?

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Für den TV Echterdingen und den SV Bonlanden geht es im Derby um einiges mehr als das Prestige.

Aufstiegsanwärter gegen Aufstiegsanwärter? So war es vor der Runde vermutet worden. Zieht man in der Fußball-Landesliga eine erste Zwischenbilanz, fällt diese allerdings ernüchternd aus. TV Echterdingen gegen SV Bonlanden - ist das vermeintliche Elefantenduell am heutigen Freitagabend in den Goldäckern tatsächlich nur eines der Papiertiger? Fakt ist: beide Mannschaften sind schlecht in die Saison gekommen. Und als sicher gilt: diejenige, die das jetzige Derby verliert, braucht anschließend ein Fernglas. Anders wird sie ihr ursprüngliches Ziel, die Spitzenplätze der Tabelle, so schnell nicht mehr erkennen können. An einer zusätzlichen Brisanz fehlt es also nicht. TV Echterdingen - SV Bonlanden. Sechs Punkte auf dem Echterdinger Konto, acht auf jenem der Bonlandener - dies von jeweils 18 bislang zu vergebenden. Keine Frage: damit hinken beide Mitfavoriten den eigenen Erwartungen deutlich hinterher. Dass die Stimmungslage dennoch eine konträre ist, liegt am vergangenen Spieltag. Während sich die Gäste da mit einem 5:1 gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen einigen Frust von der Seele geschossen haben und nun von der Hoffnung beschwingt sind, dass ihnen der ersehnte Durchbruch gelungen ist, sind die Gastgeber an einem Tiefpunkt angelangt. Das 1:6 in Bad Boll, die höchste Echterdinger Punktspielniederlage seit zweieindrittel Jahren (am 8. Juni 2013 0:6 in Essingen), drückt auf den Magen. 'Es war eine brutale Klatsche', sagt der Trainer Aleksandar Kalic, nach welcher es in dieser Woche erst einmal um die Aufarbeitung ging.
Ergebnis eins: Kalic sitzt trotz des nun dritten Fehlstarts in der dritten Saison unter ihm weiter fest im Sattel. Auf entsprechende Nachfrage antwortet der Abteilungschef Phillip Wunsch kurz und knapp: 'Die Trainerfrage stellt sich bei uns nicht.' Denn: 'Wir sind überzeugt von der Arbeit unseres Coachs', sagt Wunsch, 'wir werden gemeinsam aus dieser Talsohle wieder herauskommen.' Ergebnis zwei allerdings auch: ändern muss sich viel - und zwar bitte schnell. Das beginnt bei der Einstellung, in der Wunsch auch schon beim vorangegangenen Derby-0:3 gegen Calcio 'der letzte Biss gefehlt hat'. Und das endet bei der Aufstellung, für die Kalic 'einige Wechsel' vorschweben. Dabei will er sich selbst nicht von Schuld frei sprechen, dass es zuletzt so krachend schief gegangen ist. 'Es ist auch mein Fehler, dass die personelle Zusammensetzung nicht so gepasst hat', sagt er. Nun gelte es, wieder die richtigen Mosaiksteinchen zu finden.
In Namen? Da ist Schweigen angesagt. Die Gelb-Schwarzen wollen sich nicht vorab in die Karten schauen lassen. Sicher ist, dass der Rechtsverteidiger Antonino Rizzo ins Aufgebot zurückkehrt - und dass Marc Elsäßer (vier Wochen Rotsperre), David Milojkovic (Trainingsrückstand nach Verletzung) und Marc Brodbeck (Kapselriss) weiter nicht zur Verfügung stehen. Dominik Mayer, Michael Haigis oder Moritz Wille, die vor Wochenfrist auf der Bank hockten, könnten in Sachen Startformation zu Gewinnern avancieren.
Demgegenüber stellt sich die Sache beim SV Bonlanden einfacher dar. Wie gesagt: gerade 5:1 gewonnen. Welchen Anlass gäbe es also, umzubauen? Keinen, meint der Trainer Klaus Fischer - was Pech für einen eigentlichen Leistungsträger wie Maximilian Goll ist, der gerade jetzt seine Verletzung auskuriert hat. 'Auch er muss sich erst einmal hinten anstellen', sagt Fischer. Drei andere, Steffen Schmidt, Felix Böse und Marcel Stannull, fehlen eh nach wie vor. Neu auf der Ausfallliste steht zudem der zuletzt als Joker erprobte Christian Schenk. Bittere Kunde in dessen Fall: der Youngster hat sich am Dienstagabend beim Pokaleinsatz für die zweite Mannschaft das Wadenbein gebrochen. Die Hinrunde ist für ihn damit bereits gelaufen. Am Montag wird er operiert.
Das ist dann allerdings auch die einzige Begebenheit, die bei den Filderstädtern die gerade wieder erlangte gute Laune trübt. Einhelliger Tenor: mit besagtem jüngsten Schützenfest soll der Bann gebrochen sein. Nun kommt das Derby gerade recht, um nachzulegen. 'Es ist an der Zeit, auch auswärts mal was zu holen', sagt Fischer, dessen Ensemble in der aktuellen Spielzeit auf gegnerischen Plätzen noch sieglos ist.
Lautere Kampfansagen? Säbelrasseln vor diesem Duell der seit Jahren den Filder-Fußball bestimmenden beiden Teams? Fehlanzeige. Dass Fischer ansonsten zurückhaltend bleibt, dass zugleich der Amtskollege Kalic die Bonlandener als 'unabhängig vom jetzigen Tabellenstand stärkste Mannschaft der Liga' lobt, die 'zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht unser Wunschgegner ist' - es mag auch etwas mit der Vorgeschichte aus der vergangenen Saison zu tun haben. Aus der lässt sich beiderseits Ermutigendes ziehen - und nicht minder Erschreckendes. Das Hinspiel zuhause in den Goldäckern gewannen die Echterdinger seinerzeit, im Übrigen heute auf den Tag genau vor einem Jahr, mit 3:1 - dies, nachdem sie ihren taumelnden Gegner mit drei Treffern in der ersten Viertelstunde regelrecht überrumpelt hatten. Im Rückspiel dagegen setzte es die böse Revanche. Das dortige Resultat: ein 4:0, diesmal für Bonlanden.
Einer hat also jedes Mal beträchtliche Wunden geleckt. Mal schauen, wen es heute Abend trifft. TSV Blaustein - Calcio Leinfelden-Echterdingen. Hurra, ein Auswärtsspiel! Im Fall von Calcio muss man es mittlerweile so sehen. So wenig den ambitionierten Echterdingern in dieser Saison bislang als Heimmannschaft gelingen will, in der Gastrolle ist ihre Bilanz makellos: drei Spiele, drei Siege. Diese Serie möchten der Trainer Cataldo Diletto und die Seinen nun am Sonntag beim Aufsteiger TSV Blaustein ausbauen - wobei sich die geschilderte Ergebnisdiskrepanz gerade keiner recht erklären kann. 'Es ist ja nicht so wie in der Bundesliga, wo einen zuhause 50 000 Fans anfeuern und auf des Gegners Platz ausbuhen', sagt der Abteilungsleiter Juan Ramos. Und auf dem Rasen, da setzte zuletzt sowohl da als auch dort die Konkurrenz auf die gleiche Taktik. Sie lautete: Abwehrbollwerk errichten, gegen das Starensemble von den Fildern die Schotten dicht machen. Und dann mal schauen, was über Konter geht. Für den Außenseiter Nürtingen reichte es hiermit zuletzt zu einem 2:1-Coup beim hohen Favoriten.
Nachdem zugleich das Experiment mit nur einer Spitze und einem verstärkten Mittelfeld schief gegangen ist, ist davon auszugehen, dass Diletto zum 4-4-2-System zurückkehrt. Kurzfristig entscheiden soll sich, ob es für Diamant Avdiu und Ranko Malbasic bereits ins Aufgebot reicht. Beide befinden sich nach Verletzungen wieder im Training. Derweil hat der Gegner ein Personalproblem: In Mario Hummel und Tim Schweizer fallen ihm beide Stamminnenverteidiger wegen Rotsperren aus. Folglich muss der Trainer Peter Passer improvisieren. Unter ihm, ehemals SSV Ulm, Heidenheimer SB und Spvgg Au, gelangen den Blausteinern in den vergangenen drei Spielzeiten zwei Aufstiege. In der Landesliga spielt der Club aus der Ulmer Ecke erstmals wieder seit 1993.