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Ein Glücksschuss gegen die zunehmende Not


Für den eh schon geplagten TV Echterdingen kommt es vollends dick. Nach dem mit viel Kampfkraft errungenen 1:1 in Blaustein stehen drei Spieler neu auf der Verletztenliste und verschärft sich die Tabellensituation.
Der Abteilungsleiter Phillip Wunsch verfolgte es mit Entsetzen aus der Distanz. Kommentar: „Oh nee, bitte
Torschütze Philipp Widmayer
Torschütze Philipp Widmayer

Torschütze Philipp Widmayer
nicht auch noch das.“ Der Trainer Mario Estasi hörte derweil gar nicht mehr auf, den Kopf zu schütteln, und ächzte: „Ich krieg’ hier langsam einen Vogel.“ Beide starrten sie bang auf den Rasen, wo sich gerade der nächste Spieler des TV Echterdingen schmerzgeplagt am Boden wälzte. Nun also auch noch Marcello Di Fabio? Drei Kicker hatten sich an diesem Nachmittag bereits neu auf der eh schon langen Ausfallliste des Landesligisten eingereiht. Sollte der gerade erst wieder genesene Angreifer Di Fabio der vierte sein? Hatten sich die Fußballgötter etwa endgültig gegen die eigene Mannschaft verschworen?
Entsprechend groß war bei den Echterdingern am Ende die Erleichterung. Zum einen darüber, dass Di Fabio dann doch weitermachen konnte. Zum anderen über das Ergebnis. Allen widrigen Umständen zum Trotz haben die Gelb-Schwarzen im Auswärtsspiel beim TSV Blaustein wenigstens ein 1:1-Unentschieden erreicht. Es ist ein Punkt, der in der Tabelle und dem Kampf um den Klassenverbleib zwar nicht wirklich weiterhilft – dort spitzt sich die Situation zu. Nach dem gestrigen Bargauer Überraschungserfolg gegen den Spitzenreiter Heiningen trennt die Gelb-Schwarzen nur noch die bessere Tordifferenz von der Abstiegszone. Es war aber ein allemal wichtiger Zähler für die Moral. Belohnt wurde damit der große Einsatzwillen eines Notaufgebots. „Momentan trifft uns die geballte Ladung“, sagte Estasi. „Für die Einstellung, die die Spieler gezeigt haben“, befand er, „hätten wir sogar noch mehr verdient gehabt.“
Dass es nicht im Gegenteil weniger geworden ist, war einem einzelnen Glücksmoment zu verdanken, der die eigene Pechsträhne durchbrach. Nach einer knappen Stunde Spielzeit drosch Philipp Widmayer den Ball hoch in den gegnerischen Strafraum – eine Flanke sollte es sein, keine Frage. Doch die Kugel flog und flog, und plötzlich sackte sie hinter dem von der Sonne geblendeten Blausteiner Torhüter Timo Stoiber in die Dreiangel. Verdutzte Gesichter allenthalben. Ein Sonntagsschuss am Samstag. Das war der so gesehen glückliche Ausgleich. Mit dem bekam die Gästeelf bei den schweißtreibenden Temperaturen auf einmal die zweite Luft. Di Fabio hatte nach Vorarbeit von Mark Kranjc sogar noch die Siegtorchance (63.).
„Verrückt! Die waren doch schon mausetot“, war unter den Blausteiner Zuschauern zu hören. Und in der Tat: kurz zuvor hätte wohl kaum noch jemand einen Cent auf Estasi und die Seinen gesetzt. Zu viel an Negativem schien sich für sie zusammengebraut zu haben. Bezeichnend ein Bild zur Halbzeitpause: da waren Meksud Colic, David Hertel und Robin Rueff bedröppelt nebeneinander auf der Echterdinger Bank gehockt. Der Erste mit bandagiertem Oberschenkel, nachdem seine alte Verletzung beim Warmmachen aufgebrochen war. Der Zweite mit Eisbeutel auf der lädierten Ferse. Der Dritte mit zwickender Muskulatur. Ein Trio mit Symbolcharakter.
Beide Außenverteidiger, Hertel und Rueff, hatten ausgewechselt werden müssen. Spätestens von diesem Zeitpunkt an war beim Filderclub in personeller Hinsicht Land unter. „Sieben, acht fehlende Stammspieler“ – so lautete Estasis Rechnung. Zuvor waren ihm im Vergleich zum vorangegangenen 1:2 gegen den TSV Bad Boll schon Severin Abt (Muskelfaserriss), Duje Tokic (Leistenprobleme), Maximilian Knödler und Faruk Korkmaz (beide privat verhindert) weggebrochen.
Doch damit nicht genug. Nach ersten 45 Spielminuten, die gemessen an Torszenen den Unterhaltungswert eines Finanzbuchhaltungsseminars hatten, ging der Gegner dann mit seiner überhaupt ersten Möglichkeit in Führung. Der Torjäger Benjamin Passer vollstreckte zum 1:0. Dass der gerade erst aufs Feld gekommene Dennis Garcia-Franco dabei schlecht aussah? „Ich kann einem Spieler, der monatelang verletzt war und notgedrungen gleich wieder ran muss, keinen Vorwurf machen“, sagte Estasi.
Stattdessen hielt er es für angebrachter, Lob zu verteilen – dafür, dass die eigene Defensive insgesamt wenig zuließ. Kollektiv rackernd hielten die Echterdinger dicht. Dies, der Teamgeist und die demonstrierte Mentalität, sind die Aspekte, die Mut machen für die verbleibenden acht Aufgaben dieser problembeladenen Saison.
Anderes weniger. Der Dauerpechvogel Colic, dem nun die nächste mehrwöchige Pause droht, beschrieb seine Gemütslage zuletzt kurz und knapp in einem einzigen Wort: „Beschissen.“
TSV Blaustein: Stoiber – Ruckgaber, Fischer, Bihler – Kling, Breunig, Daur, Marius Veith – Schmid, Erthle (80. Schalk), Benjamin Passer.
TV Echterdingen: Tendemnou – Rueff (46. Zschorsch), Göcer, Stehle, Hertel (45. Garcia-Franco) – Widmayer, Spiridopoulos, Marinovic, Kranjc (77. Schmitt) – Schaller – Di Fabio.